Nacht-Schatten-(Zauber)-Pflanzen

von naDUr.at am 11. Oktober 2011 – 14:07 |

Gibt’s denn Zauberpflanzen wirklich? Litschitomate - stachelige Köstlichkeit aus dem Garten
Gestern gab’s die Antwort!
In der Vortragsreihe: Fragen des Alltags – Antworten der Wissenschaft, spazierte Dr. Andreas Heiss von der BOKUwien mittels Powerpoint quer durch die Geschichte und die Geschichten der mythologisierten, heimischen (Gift)Pflanzen. Natürlich standen dabei vor allem Nachtschattengewächse im Mittelpunkt der genaueren Betrachtung, Mythologisierung und Entmythologisierung.

Grüne Tomaten – Grüne Kartoffel – der Stechapfel – das Bilsenkraut – die Alraune – die Tollkirsche … sie alle – und noch so einige Pflänzchen mehr – wurden beim Vortrag aus ihrem Schattenreich an Licht geholt.

Bilsenkraut - Nachtschatten(Zauber)Pflanze Bilsenkraut - Nachtschatten(Zauber)Pflanze Stechapfel - eine Nachtschatten(Zauber)pflanze
(Bilsenkraut/Hexenkraut – und ein Stechapfel)

Während früher die Menschen sehr wohl wussten, wie diese Giftpflanzen als Medizin-, Rausch- oder Nahrungsmittel verwendet oder vermieden werden sollten, haben heutige Experimente Unwissender meist fatale Folgen für die Gesundheit.
Tabakpflanze - eine Nachtschatten(Zauber)PflanzeNebenbei: Auch der Tabak ist ein Nachtschattengewächs – früher als Genussmittel, heute als Droge eingestuft – wird er noch immer als „Kultur“pflanze kultiviert und im Monopol vertrieben.

Früher wurden Zaubertränke, Hexensalben und Amulette in aufwändigen Zeremonien zusammengebraut – Pflanzen wurde mit magischem Denken und Handeln Bedeutung gegeben und Wirkung zugesprochen.
Von vielen früher als magische Pflanzen verehrte Blättchen – wie dem Eisenkraut oder der Gewöhnlichen Mistel – weiß man heute, dass ihre reale Wirksamkeit unterhalb von Messbarkeitsbereichen liegen.
Dafür hat unsere heutige Zeit ganz andere magische Pflanzenessenzen und -potenzen hervorgebracht – Bachblüten und Räuchermischungen für Glück und Erfolg zum Beispiel.

Wenn Menschen Nichts-Wissen, Aber-Glauben – dann entstehen neue Geschichten …
Was wohl in 500 Jahren die Menschheit über unsere aktuelle Pflanzenmagie forschen, schreiben und denken mag?

Die aktuelle Doppel-Ausstellung Hexen.Zauber in Mistelbach und Asparn/Zaya präsentiert noch bis Ende November 2011 unser aktuelles Wissen/Glauben über das Mittelalter. Dabei ist „Grün – der Zauber der Pflanzen“.

Alraune - eine mythenreiche ZauberpflanzeEin gutes Beispiel für die Entwicklung des magischen Wissens/Glaubens ist die Kulturgeschichte der Alraune. Wer sich ein Bild davon machen will, was die Menschen mit ihrem „magischen Denken“ über Jahrtausende hinweg – seit der Antike – einer niedlichen, violettblütigen Pflanze alles angedichtet haben bis diese schließlich im 21. Jahrhundert mit Harry Potter wieder weltweite Aufmerksamkeit bekommen hat, kann sich bei Wikipedia einen Überblick verschaffen. Eine „echte“ Alraune hab ich selbst übrigens erstmals im Querbeet (1070 Wien) gesehen – und die sah soooo harmlos aus :-)

Wie dicht doch (rückblickend) Wissen-Glaube-Besserwissen-Aberglaube immer wieder beieinander liegen …
… das glaube ich jedenfalls ;-)
… und klopfe zur Sicherheit 3x auf Holz :oD
(weil hilft’s nix – dann schad’s zumindest auch nix)


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Der Zauberberg – nacherzählt

von Grebenzenfan am 29. November 2010 – 16:15 |

~ ~ ~ ~ ein Beitrag aus dem naDUr-Redaktionsteam – Danke! ~ ~ ~ ~
Was Thomas Mann vor fast 100 Jahren auf seinem Zauberberg erlebte – das passiert auch heute noch – hin und wieder.

Zauberberg - Stolzalpe (c) Grebenzenfan„Da hilft nur noch eine physikalische Intensivtherapie,“ meinte der Hausarzt zu seiner Patientin.
Vom langen Arbeiten am Computer haben sich ihre Halswirbel und die Schulter abgenützt und schlimme Schmerzen verursacht. So schickte er die Schmerzgeplagte in ein Krankenhaus auf einen „Zauberberg“ – in 1300 m Seehöhe.
Das Können der SpezialistInnen linderte schnell die Schmerzen. So wurde in der therapiefreien Zeit der Patientin langweilig – so ganz ohne Computer …

Aber sie war ja auf einem Zauberberg und so kam es, dass sie bei einem Spaziergang auf ein seltsam gekleidetes, geheimnisvolles Wesen traf.
„Wer bist du?“ fragte die Patientin und horchte bei der Antwort auf.
„Ich bin die Nebelhexe, und ich habe schon gehört, dass dir so langweilig ist.“
„Hast du einen Rat, was ich dagegen tun kann?“

Die Antwort der Nebelhexe erstaunte: „Komme morgen früh, gleich nach der Visite wieder hierher und bringe deinen Fotoapparat mit! Ich werde eine Suppe für dich kochen.

Neugierig und mit Fotoapparat erschien die Patientin am nächsten Morgen. Die Nebelhexe hatte die besten Zutaten gesammelt, all ihre Kochkünste angewendet. Eine dicke Nebelsuppe hatte sie zubereitet und am Zauberberg und in den angrenzenden Tälern ausgegossen.

Zauberberg - Stolzalpe (c) Grebenzenfan Zauberberg - Stolzalpe (c) Grebenzenfan

Beim Fotografieren der „Suppe“ verflog natürlich ganz schnell die Langeweile der Patientin.

Und vielleicht hast Du jetzt Lust bekommen selbst ein Rendezvous mit der Nebelhexe zu vereinbaren?
Dann steh früh auf! Und vergiss nicht, den Fotoapparat mitzunehmen!

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Übrigens: Diese Zauberberg-Nacherzählung basiert auf einer wahren Begebenheit im Krankenhaus auf der Stolzalpe im obersteirischen Bezirk Murau. Wie es dort derzeit ausschaut – ob die Nebelhexe, der Windgeist oder der Schneegnom grad gekocht haben, kannst Du hier per Webcam kontrollieren.
Mahlzeit! ;-)


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