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Tagetes … im September

Sie ist unkompliziert – wächst und wuchert im Garten, am Fensterbrett – und sogar in den kleinsten Asphalt-Ritzen …

Gräser und Tagetes in einer Asphaltritze
Tagetes als Wilde-Ritzenvegetation im September 2021

Die „Tagetes“ schaut außerdem gut aus, finde ich mittlerweile … und sie blüht und blüht und blüht …

Ich kannte sie lange Jahre nur als Schneckenköder im Frühling … sie wurde zwischen Jungpflanzen oder Gemüsepflänzchen gesetzt, damit sich die Schnecken auf die Tagetes stürzen und die wertvolleren Blumen und Sorten in Ruhe lassen.
Ich muss sagen, ich mochte die Tagetes auch nicht wirklich – irgendwie roch sie immer komisch.
Aber jetzt kann ich sie wirklich schätzen, seit ich weiß, wie vielseitig sie eigentlich ist – die kleine, unkomplizierte „Studentenblume“, die eigentlich mit rund 50 Arten in Mittel- und Südamerika zuhause ist. Einige Arten werden als Gewürz verwendet, als Färbemittel für Gelb, als Badezusatz, Bienenweide, Bodenverbesserer oder als Abschreckung gegen oberirdische und unterirdische Pflanzenschädlinge. Mittlerweile findet man auch bei uns im Supermarkt Tagetes-Blüten(blätter) als essbare Salat-Dekoration.

Ihren wissenschaftlichen Namen „Tagetes“ bekam die Pflanze in Anlehnung an den etruskischen Gott „Tages“, der einer Ackerfurche entsprungen sein soll – wobei man eigentlich nicht viel über die noch vor unserer Zeitrechnung ausgestorbene Kultur der Etrusker weiß.
In Amerika heißt sie „Marigold“, das an die Gottesmutter Maria erinnern soll. In Mexiko wird sie mit dem Erzengel Michael in Verbindung gebracht, an seinem Festtag Ende September werden Kreuze und Kränze aus der Studentenblume gebunden, diese sollen dann böse Geister fernhalten.

Warum die Studentenblume bei uns Studentenblume heißt, hab ich (noch) nicht herausfinden können. Aber wegen ihres doch etwas gewöhnungsbedürftigen Geruchs wird sie scheinbar auch als „Studentenfurz“ belächelt. Züchtungen für’s Blumenbeet gibt es bereits geruchsneutral …

Ich finde die Tagetes mittlerweile tollund hab mich echt gefreut, als ich sie in der Asphalt-Ritze eines Urban-Gardening-Projekts in Wien gefunden hab. Das Foto ist Teil meiner diesjährigen Wildwuchs & Ritzenvegetations-Fotogalerie … und vielleicht wird es Teil des geplanten Fotokalenders, der die Eigenwilligkeit der Natur in Betonlandschaften quer durchs Jahr dokumentieren wird.

Vielleicht inspiriert dich dieser Beitrag, die Augen und die Nase im September offen zu halten und nach der „Stinkerin aus Amerika“ (Link zur Quelle ;) Ausschau zu halten?
Die Chancen stehen gut, dass sie dir im September irgendwo begegnet: In Ritzen, im Garten, im Salat … <:3)~~