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Imago … Das Abbild ihrer Art

Am Waldteich – eigentlich nur ein Teichlein – war einiges los.
Nicht nur ich hab dort die Kühle im Halbschatten genossen.
Kleine Ringelnattern sind im Wasser auf Grashalmen gelegen. Ob sie sich gesonnt haben oder abgekühlt, konnte ich nicht feststellen. Aber sie wirkten sehr gechillt – bei der Hitze, die derzeit alle Lebewesen schlaucht. Die Maus ist daher auch gar nicht erst mitgewandert in den Wald – und so hat sie etwas Bemerkenswertes verpasst:

Eine große Libelle (Mosaikjungfer) ist gerade ihrem letzten Larven-Stadium (graue Hülle rechts am Grashalm) entschlüpft und hat sich zu ihrer „Imago-Form“ ausgebreitet.
Sie muss nun in der Sonne trocknen, damit ihre Körperhülle und die Flügel fest werden und sie losfliegen kann. Hier kann man gut das beeindruckende Insekt sehen, das zuvor gut 2 Jahre lang als Larve im Teich gelebt und gejagt hat. Dabei ist sie immer mehr gewachsen und musste öfters aus ihrer „Haut“ schlüpfen, weil sie ihr zu eng wurde.
Jetzt am Ende ihrer Entwicklung zeigt sie sich so, wie wir uns Libellen vorstellen – in ihrem Fall zeigt sich sogar eine „Edel-Libelle“.
Sie ist nun das „Abbild ihrer Art“, und das nennen die Wissenschafter*innen „Imago“ (= lateinisch für Bild, Abbild).

Natürlich war auch die Larve bereits eine Libelle – aber halt noch keine „fertige Mosaikjungfer“. Jetzt in ihrer Imago-Form ist sie fertig. Sie muss sich nicht mehr häuten, sondern ist bereit, als „Erwachsene“ im Flug ihre Beute zu jagen und sich zu paaren, Eier abzulegen und eine neue Generation an Mosaikjungfer-Libellen am Waldteich zu starten.

Zurück am Grashalm blieb ihre „Hülle“ – auch ziemlich beeindruckend, finde ich. Man sieht noch das kleine Loch am Rücken, aus dem sich die große Libelle gezwängt hat, um „fertig“ zu werden. Diese leere, abgelegte Hülle/Haut nennen die Wissenschafter*innen übrigens „Exuvie“ – das Wort hab ich auch jetzt grad erst gelernt. Doch noch besser gefällt mir dafür die Bezeichnung „Häutungshemd“ …
Und wie würdest Du diesen leeren Strampelanzug aus der Kindheit und Jugend nennen? ;)

Falls Du neugierig bist, wie das mit dem „Schlüpfen“ bei Großlibellen geht – Wikipedia hat da ein Video, bei dem Du im Zeitraffer zuschauen kann.
In Wirklichkeit dauert nämlich so eine „Geburt“, bei der aus dem letzten Larven-Stadium eine Imago-Libelle wird, gut 2 Stunden. Da kann schnell mal ein Frosch oder eine Ringelnatter vorbeischauen und sich die schlüpfende, weiche Libelle als Snack schnappen … uiii

Nebenbei: „Imago“ ist bei allen Insekten die Bezeichnung für die fertige, erwachsene Form des Tieres.
Also was für uns ein „Marienkäfer“ ist – ist die Imago-Form der Marienkäfer-Larve.
Aber was für uns der „Wurm in der Kirsche“ ist – ist nur die Larven-Form zur Kirschfruchtfliege (Imago).
Klaro? Oder? ;)

Spazier doch mal selbst in den kühlenden Wald und schau, welche Imago-Insekten Du so findest …
Und dann überleg, ob Du diese Insekten auch in ihren Larven-Stadien schon mal gesehen hast.